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Politik

Liebe Leserinn, lieber Leser 

Am 13. September 2012 habe ich folgende Interpellation eingereicht:

 

Kinderarbeit nach dem Gurnigel-Rennen?

Aus den Medien konnte ich entnehmen, dass seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, Schulklassen die Felder nach dem Gurnigel-Rennen wieder sauber machen. Hierfür bekommen die drei Schulklassen je Fr. 300.--. Ich finde es stossend, dass ein kommerzieller Anlass seinen Dreck nicht selber wegräumt und bitte den Regierungsrat, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Welchen Lerneffekt oder pädagogischen Mehrwert haben die Schulkinder und Jugendlichen, wenn sie den Dreck anderer wegschaffen?
  2. Ist diese „Klassenarbeit“ überhaupt gesetzlich zulässig?
  3. Wie viel müssten die Veranstalter bezahlen, wenn sie ihren Dreck sel-ber entsorgen müssten?
  4. Wird sich der Regierungsrat einsetzen, dass solche Arbeiten nicht mehr von Schulklassen ausgeführt werden?
  5. Wird sich der Regierungsrat einsetzen, dass die Veranstalter in Zukunft ein Abfall-Rückgabekonzept (Depotgebühr auf allen Getränkeflaschen und Geschirr) und genügend Abfalleimer entlang der Strecke einführt, damit in Zukunft der Abfall nicht in den Feldern landet?

 

Der Aritkel in der Berner Zeitung vom 14.09.12 hat eine Online-Diskussion entfacht, ob sich eine Politikerin überhaupt mit diesem Thema befassen soll und ob es überhaupt angebracht sei, solche Fragen zu stellen. Ich finde JA!

Mit meiner Interpellation stelle ich überhaupt nicht in Frage, dass Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, sich für gemeinnützige Tätigkeiten einsetzen sollen. Kinder sollen auch in Zukunft, bei der Gartenarbeit mithelfen oder ein Hausämtli übernehmen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn Kinder und Jugendliche nach einem Schulfest ihren eigenen Dreck aufräumen. Was ich jedoch nicht gutheisse, ist, dass bei einem kommerziellen Anlass der von Erwachsenen gemachten Dreck von Kindern und Jugendlichen entfernt werden muss. Da appelliere ich die Erwachsenen, ihren Anstand und ihre Vorbildfunktion zu wahren und keinen Abfall auf dem Boden, Weiden und Feldern zu werfen. Das ist einfach degutant!

 


 

Für keines der von unserer Gattung beeinflussbaren Probleme auf der Erde gibt es eine Königinnenlösung*! Die Schlussfolgerungen daraus für mich: Mit meiner Person, mit all meinen Kräften, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln, Fähigkeiten und Erfahrungen setze ich mich auf möglichst effiziente Weise ein - in den verschiedensten Lebensbereichen, wo es meinen Einsichten nach notwendig ist. Deshalb bilde ich mich zum Beispiel weiter, leiste politische Arbeit, leite einen ökologisch vertretbaren Betrieb mit, lege – wo nötig und möglich – direkt Hand an. Ein paar politische Inhalte?


1. „Ausländerinnen sind wir alle, fast überall auf der Welt!“ Alle Minderheiten, die sich nicht selber wehren können, alle materiell, körperlich, seelisch Bedürftigen, alle unverschuldet Geschädigten verdienen meinen Schutz und jenen der Gesellschaft. Mit Gesetzen sollen die nötigen öffentlichen Mittel bereitgestellt und zielgerichtet verwendet werden. Damit sorgen wir dafür, dass sich die Minderheit der Privilegierten nicht aus der Verantwortung schleichen kann.


2. „Die globalisierte Welt ist heute den Gesetzen der Wirtschaft völlig ausgeliefert.“ Das Rad vermögen wir nicht zurück zu drehen. Mit politischen Mitteln können die treibenden Kräfte aber zur Verantwortung für die längerfristigen Auswirkungen ihres fröhlichen Tuns und des Umgangs mit den ihnen Ausgelieferten verpflichtet werden. Jede Einzelperson – ich zum Beispiel – kann mithelfen, dass die Gesellschaft entsprechend verbindliche Regeln schafft.


3. „Grenzenlose Gewinnoptimierung ist gesichert – Nikkei-Index als ‚Amen’, schon in den Frühnachrichten?“ Wie die Lebensweise der meisten anderen Tiere ist die Tätigkeit des Menschen – auch – schädlich. Selbst wenn das Aussterben unserer Gattung der Zukunft der Erde wohl bekömmlich wäre, könnte ein konsequent ökologischeres Verhalten unsererseits die Aufenthaltsbewilligung der Menschheit auf Erden für eine Weile verlängern. Ich leiste meinen Beitrag als Individuum und versuche, entsprechende Regelungen für das gesellschaftliche Zusammenwirken zu schaffen.


4. „Die Kultur der Politik ist entscheidend – existentiell.“ Diskutieren wir in der politischen Tätigkeit lieber inhaltlich unterschiedliche Positionen mit der nötigen Fairness, Toleranz, Klarheit und mit dem Blick auf konstruktive, realisierbare Lösungen und konkrete Ergebnisse, anstatt die kostbare Zeit ergebnislos zu verschwenden mit uferlosen Positionskämpfen, Prestige-Verteidigungsschlachten, dogmatischen Stellungskriegen gemäss den Glaubensbekenntnissen der Parteien.


* Weibliche Bezeichnungen für Personen(gruppen): Männer sind, wo angebracht, jeweils natürlich mitgemeint.

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